Impulse

Gefühle. Gedanken. Geschichten.

Suche. Oder warum man den Sinn des Lebens nicht findet wie Ostereier

Sinn. Erfüllung. Lebensaufgabe. Grund des Daseins. Purpose. Es scheint, als sei das der heilige Gral unserer Zeit und zugleich die letzte Hoffnung in Tagen, in denen uns unser Dasein oft einfach nur auszulaugen scheint. Wir jagen dem Lebensglück nach ohne Rast und Ruh, irgendwie gehört das auch schon zum guten Ton. Allen voran, trotz nur mittelmäßiger Kondition: ich! Mittlerweile viel belächelt, verschlinge ich weiter ein Buch nach dem anderen über Selbstfindung, Persönlichkeitsentwicklung, das ultimative Glück. Die finale Erleuchtung muss doch jetzt endlich mal auf mich niederkommen. Ich denke, wenn ich nur lang und bemüht genug suche, alles von meiner Energie darauf ansetze, endlich den heiligen inneren Glücks-Gral zu heben, dann wird es auch passieren. Eines Tages wird es über mich kommen wie der Heilige Geist. Ich werde strahlen, lachen, voll Leichtigkeit, Beschwingtheit und Weisheit durchs Leben schweben. Herrlich ist diese Vorstellung, einfach herrlich! Und dann passiert es: es ist Wochenende und ich bin mal wieder vertieft in meine neuste Buch-Errungenschaft auf meiner ambitionierten Reise zum Glück. Da steht dann auf einmal vor mir, schwarz auf weiß: den Lebenssinn kann man gar nicht finden. Er ist nicht versteckt wie ein Osterei, das man schon früher oder später findet, wenn man nur lange genug forscht. Stattdessen muss man ihn selbst erschaffen. WIE BITTE??? Mir wird ganz heiß. All die Zeit habe ich meine Zeit damit verbracht, Ostereier zu suchen, dabei hätte ich basteln sollen!?!? Ich bin geschockt. Völlig neuer Ansatz. Ich muss mich also selbst drum kümmern, auf welche Weise ich glücklich werde. F*ck. Auch das noch. Es dauert ein paart Tage, bis ich mich auch nur annähernd mit diesem Gedanken anfreunden kann. Vorsichtig annähern trifft es eher. Irgendwas in mir ist immer noch zutiefst schockiert, dass ich die ganze Zeit auf so einer falschen Fährte gewesen sein soll. Aber gut, besser spät kapiert, als nie. Basteln also. Ich war ja noch nie so der Bastel- und Handarbeits-Freak. Nutzt jetzt aber nichts. Also Ärmel hochkrempeln und loslegen. Wir werden sehen, wohin es mich bringt. Insgeheim glaube ich ja: das mit dem Sinn des Lebens ist so eine Sache. Du bastelst ihn, er findet dich, er lässt sich von dir finden. Alles ist irgendwie wahr. Und darin liegt der Zauber der magischen Selbst-Entdeckungsreise. Wer suchet, der findet. Wer bastelt, der kreiert. Ostern und Handarbeitskurs. Alles in einem. Verrücktes Leben. Aber schön so eigentlich.